Unser Bruchlandschaft

Natur pur!

Das Schalbrucher Bruch

Einst größtes Moorgebiet des Kreises

Schalbruch oder “Schaubrook” entlehnt seinen Namen evtl. von dem einst größten Moorgebiet des Kreises, dem “Häselär”, mit weiten Gründen an den “Törfskuhlen”, fischreichen Gewässern und tückischem Moor. Das ganze Gebiet des Bruches war von Wasserflächen unterbrochen, den “Schaubröker Törfskuhle”. Die weite Fläche des Bruchlandes war früher von vielseitiger Beschaffenheit. Schon die Flurnamen deuten auf diese Unterschiede des Geländes hin: Hochbruch, Niederbruch, Karnal, Schlack, Häselär, In den alten Kaulen, Eiländchen.

Das Häselär

Das Häselär war das unwirtschaftlichste Gebiet, Rest eines alten Maasarmes. Verschiedene Gewässer waren Tiefgruben, “deipe Koule”, Torfgruben, “Törfskoule”, “het Blänkske”, “de Sandjhahn” und “het boal Venn”. Dem Häselär vorgelagert ist das Eiländchen. Der Baumweg führt an ihm vorbei über die ehemalige Grenze nach Susteren. Vom Bruchland aus führt ein Weg geraudeaus ins Bruch hinein. Er war schon immer befestigt und führt den Namen “Dieck” oder Deichweg. Dieser Weg trennt das Hochbruch vom Niederbruch.

Pasturs Bengje

Ein Teil des Hochbruches wird als Flurbezirk “Pfaffenbenden” bezeichnet, in der Mundart “Pasturs Bengje”. Das Areal geht auch einen kirchlichen Besitz der Pfarre Millen zurück, der schon um 1656 erwähnt wird. Auch heute noch besitzt die Pfarre Millen im Hochbruch einen ansehnlichen Teil Wiesenland.

Friedhöff und Heeressträötje

Der Friedhof oder “Friedhöff” ist eine weitere Gemarkung des Hochbruches. Der Name ist vielleicht mit den steinzeitlichen Funden in Zusammenhang zu bringen, die in vergangener Zeit hier gemacht wurden.

Jenseits des Bruches finden wir das “Heeressträötje”, das vor dem Bahnübergang bei Susteren mit der “Isstraat” zusammentrfft. Man könnte hier auf eine alte Heerstraße schließen.

Auf deutschem Gebiet wurden die ersten

Meloriationen von der Ceres-Gesellschaft durchgeführt, die am Nordhang den Cereshof errichtete

Aan de Böumkes und De deepe Koule

Der mit dem Dieckweg parallel verlaufende Weg entlang der Schule war immer mit Bäumen bepflanzt und hieß “aan de Böumkes” oder auch “Allee”. Zwischen Dieckweg und Allee liegt das Niederbruch, in dem sich ein halbes Dutzend größerer Teiche, “de deepe Koule”, befanden, auf deren Eisfläche sich im Winter nicht nur die Einheimischen tummelten.

Der Flurbezirk südlich der Allee, der nun schon bebaut ist, trägt den Flurnamen “In den alten Kaulen”. Der Weg nördlich davon war der Zugang zum Häselär und hieß “höhlchen” oder “Häölke”. Heute ist es die Ahornstraße.

Wieder nördlich vom “Höhlchen” lag am Hang vorbei die Gemarkung “In den Biesen”. Auf der nördlichen Seite des “Böümkesweges” begann bis zu den Gruben eine naßgründige Fläche, die die Bezeichnung “Karnal” trug. Hier wuchs eine riedartige Graspflanze, die den Pferden und Kühen wohl schmeckte, auch “Manna Süßgras” genannt.

Zwischen den Teichen wuchsen Ried, zum Decken der Schuppen verwendet, Gagelstrauch, auch Rut oder Grut genannt, vielfach als Hopfenersatz zum Bierbrauen verwendet. Wegen des starken Geruches, den der salweidenartige Strauch ausströmte, wurden Gagelzweige in die Betten gelegt, um Flöhe zu vertreiben.

Von den großen, tiefen Gruben unterschied man “et Blänkske” und “de Sandjhahn”. Beide waren Gewässer von etwa 50 cm Tiefe mit einem weißsandigen Grund. Im Sommer ein idealer Spielplatz für die Kinder. Hinter diesen Gewässern begann die “Schlack” und das Susterner Bruch. Der “Bahnweg”, der hinter dem Cereshof quer durch das Bruch führt, setzt sich über die Grenze hinweg fort und führt als Fußweg durch die sog. Schlack nach Pey und Echt.

Nördlich vom “Bahnweg” begann das eigentliche Torfgebiet, das Gelände der Torfgruben oder “Törfkoule”. Hier wurde alljährlich im Juni Torf gestochen. Es war eine Gemeinschaftsarbeit. Bürgermeister und Polizeidiener verkauften rutenweise für etwa 3 Mark den Rohstoff, der für viele Bewohner ausreichenden Brennstoff lieferte.

Mit den Spaten wurden viereckige Rasenstücke abgestochen und die sog. Rische mit Schubkarren auf festes Gebiet gefahren und zum Trocknen in langen Reihen nebeneinandergestellt. Sobald die Rische abgetrocknet waren, wurden sie zu zweien gerichtet und später in verschränkter Form zu einer spitzen Pyramide aufeinandergeschichtet. So konnte der Regen gut ablaufen, und der Wind hatte freien Zutritt. Wegen des Geruches war der Torf nicht sehr beliegt, doch als billiges Heizmaterial willkommen.Im Monat Mai nahte die Lohezeit. Es begann das Schälen der Eichen. Ihre Rinde lieferte für den Lohgerber die so notwendige Gerbsäure. Viele kleine Gerbereien wurden mit Eichenrinde versorgt. Einer dieser kleinen Familienbetriebe lag in der Sandkoul in Havert nahe dem Saeffelbach, wo noch lange Jahre das Lohhäuschen von der ehemaligen Gerberei kündete.

Der Lohgraben war zunächst der einzige Entwässerungsgraben im Bruch. Er begann an der Isstraße in Isenbruch und zog sich durch das Wald- und Wiesengebiet bis zum Niederbruch hin, um sich noch ein Stück am Nordrand des Niederbruchs vorbei nach Holland Richtung Maas zu wenden.

Das sog. “Häselär” schloss sich an das Eiländchen an und reichte über die holländische Grenze hinweg bis zur Pippinusbrücke, jenseits des Trappistenklosters Lillbosch. Auch über den dortigen Dammweg hinweg verlief das Bruch weiter auf Montfort zu. Heute ist es von vielen Entwässerungsgräben durchzogen, womit im Jahre 1893 die Trappisten von Lillbosch begannen. Auf deutschem Gebiet wurden die ersten Meloriationen von der Ceres-Gesellschaft durchgeführt, die am Nordhang den Cereshof errichtete. Dieses Programm wurde in der NS-Zeit wieder aufgegriffen. Aber auch die Gemeinde Havert hatte im vorigen Jahrhundert begonnen, das Bruch streckenweise zu kultivieren.Schon ab 1933 hatte die damalige NS-Regierung ein Programm zur Urbarmachung unfruchtbarer Ländereien entwickelt. Für die notwendigen Regulierungs- und Entwässerungsarbeiten wurde der Reichsarbeitsdienst eingesetzt. Dabei hatte - neben anderen Projekten im Kreis - das Schalbrucher Bruch Vorrang. Es wurde ein neues System von Wasserabzugegräben angelegt und für die Abführung des Wassers mit der niederländischen “Watermatschapij” ein Abkommen geschlossen.

Die Meliorationsverfahren in den verflossenen siebziger Jahren haben die Entwässerung noch verbessert. So kann heute, bis auf einen kleinen Teil im Häselär, das Bruch landwirtschaftlich genutzt werden. Als Preis hierfür musste jedoch der Verlust einer einzigartigen Naturlandschaft gezahlt werden.

(C) 2009-2017 Hans Mohren, Schalbruch